Physiologische Stilkunde würde ins Innerste dieses Schaffens
führen. So wird niemand, der die besondere Zähigkeit kennt, mit der
Erinnerungen im Geruchssinn (keineswegs Gerüche in der Erinnerung!) bewahrt
werden, Prousts Empfindlichkeit gegenüber Gerüchen für Zufall erklären können.
Gewiß treten die meisten Erinnerungen, nach denen wir forschen, als
Gesichtsbilder vor uns hin. Und auch die freisteigenden Gebilde der mémoire
involontaire sind noch zum guten Teil isolierte, nur rätselhaft präsente
Gesichtsbilder. Eben darum aber hat man, um dem innersten Schwingen in dieser
Dichtung sich wissend anheimzugeben, in eine besondere und tiefste Schicht
dieses unwillkürlichen Eingedenkens sich zu versetzen, in welcher die Momente
der Erinnerung nicht mehr einzeln, als Bilder, sondern bildlos und ungeformt,
unbestimmt und gewichtig von einem Ganzen so uns Kunde geben wie dem Fischer
die Schwere des Netzes von seinem Fang. Der Geruch, das ist der Gewichtssinn
dessen, der im Meere der temps perdu seine Netze auswirft. Und seine Sätze sind
das ganze Muskelspiel des intelligiblen Leibes, enthalten die ganze, die
unsägliche Anstrengung, diesen Fang zu heben.
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