Selbst der Briefschreiber findet kein Ende, diesem Leiden
die entlegensten Effekte abzugewinnen. »Das Rasseln meiner Atemzüge übertönt
das meiner Feder und eines Bades, das man im Stockwerk unter mir einläßt.« Aber
es ist nicht das allein. Auch nicht, daß ihn die Krankheit dem mondänen Dasein
entriß. Dieses Asthma ist in seine Kunst eingegangen, wenn nicht seine Kunst es
geschaffen hat. Seine Syntax bildet rhythmisch auf Schritt und Tritt diese
seine Erstickungsangst nach. Und seine ironische, philosophische, didaktische
Reflexion ist allemal das Aufatmen, mit welchem der Alpdruck der Erinnerungen
ihm vom Herzen fällt. In größerem Maßstab ist aber der Tod, den er unablässig,
und am meisten wenn er schrieb, gegenwärtig hatte, die drohende, erstickende
Krise. So stand er Proust gegenüber und lange, bevor sein Leiden kritische
Formen annahm. Dennoch nicht als hypochondrische Grille, sondern als »réalité
nouvelle«, jene neue Wirklichkeit, von der der Reflex auf Dingen und auf
Menschen die Züge des Alterns sind.
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