»Proust tritt an das Erleben ohne das leiseste metaphysische
Interesse, ohne den leisesten konstruktivistischen Hang, ohne die leiseste
Neigung zum Trösten heran.« Nichts ist wahrer. Und so ist denn auch die
Grundfigur dieses Werkes, von der Proust nicht müde wurde, das Planvolle zu
behaupten, nichts weniger als konstruiert. Planvoll aber, das ist sie wie der
Verlauf unserer Handlinien oder die Anordnung der Staubgefäße im Kelch. Proust,
dieses greise Kind, hat, tief ermüdet, sich an den Busen der Natur zurückfallen
lassen, nicht, um an ihm zu saugen, sondern um bei ihrem Herzschlag zu träumen.
So schwach muß man ihn sehen und begreift, mit welchem Glück Jacques Rivière
ihn aus der Schwäche verstehen und sagen konnte: »Marcel Proust ist an
derselben Unerfahrenheit gestorben, die ihm erlaubt hat, sein Werk zu
schreiben. Er ist gestorben aus Weltfremdheit und weil er seine
Lebensbedingungen, die für ihn vernichtend geworden waren, nicht zu ändern
verstand. Er ist gestorben, weil er nicht wußte, wie man Feuer macht, wie man
ein Fenster öffnet.« Und, freilich, an seinem nervösen Asthma.
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